Verknüpfung impliziter Blickbewegungsmessungen mit explizitem Antwortverhalten in Fragebögen - Ein interkultureller Vergleich (ImplEyCit)

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In internationalen Schulleistungsstudien wie dem Programme for International Student Assessment (PISA) werden neben (Fach-)Wissen auch das Selbstkonzept oder Interesse über Selbstbericht-Skalen erfasst. Eine große Herausforderung für solche internationalen Studien ist, dass die selbstberichteten Antworten über die unterschiedlichen Staaten und Kulturen hinweg vergleichbar sein müssen. Die Forschung zeigt jedoch, dass der kulturelle Hintergrund von Schülerinnen und Schülern ihre Antworten beeinflussen. Zum Beispiel neigen Personen aus Ländern mit einer eher kollektivistisch geprägten Gesellschaft dazu, Aussagen grundsätzlich eher zuzustimmen als sie abzulehnen und extreme Antworten generell zu vermeiden. Diese Verzerrungen beeinträchtigen die Vergleichbarkeit der Ergebnisse und können zu falschen Schlussfolgerungen und politischen Entscheidungen führen.

Ziel des Projektes ist es, Unterschiede zwischen eher individualistisch geprägten Kulturen wie Deutschland oder Frankreich und eher kollektivistisch geprägten Kulturen wie Taiwan in den Prozessen der Beantwortung von Fragebögen zu untersuchen.

Dazu wurden in einem Vorläuferprojekt Blickbewegungsdaten mithilfe von Eye-Tracking in Deutschland und Taiwan erhoben. Blickbewegungen eigenen sich gut zur Untersuchung dieser Fragestellung, da sie nur schwer bewusst kontrolliert und daher nicht durch bewusste Antworttendenzen beeinflusst werden können. Ausgewertet werden soll zum einen das Fixieren der ersten Antwortkategorie. Es wird die Hypothese geprüft, dass Studierende in Deutschland und Taiwan zwar verschiedene Antwortkategorien ankreuzen, es aber keine Unterschiede in der unbewussten ersten Fixation gibt. Darüber hinaus wollen wir untersuchen, ob es einen Unterschied macht, welches Merkmal erfasst wird. So wird geprüft, ob Merkmale, die sich eher auf das Selbstwertgefühl (z. B. Selbstkonzept) beziehen, stärker durch kulturelle Antwortprozesse beeinflusst werden als Merkmale (z. B. Interesse), welche weniger relevant für das Selbstwertgefühl sind.

Das Projekt wird durch das Bayrisch-Französische Hochschulzentrum (BayFrance) kofinanziert.

Blickbewegungsmessung im ImplEyCit (Symbolbild) © pixabay.com

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