Bearbeitungszeiten in komplexen Testaufgaben

Jorge Klagges➚, ZIB-assoziierter Wissenschaftlicher Mitarbeiter DIPF

Ziel dieses Promotionsprojekts ist es, verschiedene Komponenten von Bearbeitungszeiten (Time on Task) in computergestützten komplexen Lese-Assessments zu untersuchen. Time on Task steht in engem Zusammenhang mit dem Erfolg bei Leseaufgaben. Die für die Leseleistung aufgewendete Zeit wird durch die Schwierigkeit von Aufgaben moderiert, was darauf hindeutet, dass unterschiedliche Merkmale von Texten die strategische Verarbeitung der Testpersonen und damit ihre Zeit, die sie für den Prozess der Lösung einer Leseaufgabe aufwenden, beeinflussen können. Bei komplexen Leseaufgaben (mit mehreren Textseiten und Items unterschiedlichen Typs) können zum Beispiel einige Teilnehmer einen Text sorgfältig lesen und erfolgreich damit zusammenhängende Fragen beantworten. Andere Testteilnehmer können sich dazu entschließen, nach Abschluss einer Aufgabe zu einem Text zurückzukehren, um ihr eigenes Verständnis zu überprüfen. Wieder andere Testteilnehmer können den Text grundsätzlich überspringen, um zunächst zu erfahren, was genau die Aufgaben von ihnen verlangen.

Zu diesem Zweck werden die Zeitdaten in solchen komplexen Leseaufgaben mit Hilfe von Log-Files erfasst und untersucht. Log-Files werden während einer Testsitzung aufgezeichnet und liefern genaue Informationen über die Interaktionen eines Testteilnehmers mit der Assessment-Plattform. Daher ist es möglich, die Zeit zu bestimmen, die ein Testteilnehmer in bestimmten Phasen der Bearbeitung einer komplexen Leseaufgabe aufgewendet hat, wie z.B. die Zeit, die er mit dem Lesen des Textes und der Beantwortung der damit zusammenhängenden Fragen verbracht hat. Das bedeutet, dass die für eine komplexe Leseaufgabe aufgewendete Zeit in sinnvolle Komponenten zerlegt wird, die im Rahmen des Arbeitsprozesses differenziert werden können.

Statistisch gesehen werden die unterschiedenen Komponenten der Zeit für die Aufgabe bei komplexen Lese-Assessments mit Hilfe konfirmatorischer latenter Modelle (Confirmatory Factor Analysis, CFA) analysiert. Dabei wird ihre Dimensionalität untersucht, um festzustellen, ob es sich um getrennte und bedeutungsvolle Komponenten von time on task handelt. Darüber hinaus wird untersucht, wie die verschiedenen Komponenten von time on task mit dem Aufgabenerfolg in einem komplexen Lese-Assessment zusammenhängen.

Betreuer: Prof. Dr. Frank Goldhammer➚

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