Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler in Deutschland — Klassifikation, Entwicklung und Förderung

Claudia Neuendorf➚, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Die Frage, wie leistungsstarke Schülerinnen und Schüler optimal gefördert werden können, steht aktuell auf der politischen als auch zunehmend auf der wissenschaftlichen Agenda. Forschung zu Kindern und Jugendlichen mit hohen Schulleistungen findet allerdings bisher meist aus der Perspektive der Begabtenforschung statt. Daher soll sich das Dissertationsprojekt spezifisch mit akademischer Leistungsstärke von Schülerinnen und Schülern beschäftigen.

Im ersten Artikel wird in Form einer systematischen Überblicksarbeit untersucht, wie Leistungsstärke im schulischen Kontext in bisherigen Forschungsarbeiten operationalisiert wurde. Dabei werden mehrere Aspekte der Operationalisierung untersucht: Zum einen spielen die genutzten Leistungsindikatoren, wie Noten, Testwerte oder Selbst- und Fremdeinschätzungen eine Rolle. Weiterhin werden die gewählten Cut-offs, Bezugsnormen und die Domänenspezifität untersucht und der Zusammenhang mit weiteren inhaltlichen und methodischen Kriterien festgestellt.

Im zweiten Artikel (Neuendorf, Jansen & Kuhl, 2020) wird untersucht, wie sich die schulischen Kompetenzen leistungsstarker, verglichen mit nicht leistungsstarken Schülerinnen und Schülern, längsschnittlich entwickeln. Häufig wird angenommen, dass der kumulative Charakter von Lernprozessen dazu führt, dass Anfangsunterschiede in sich immer weiter verstärkenden Leistungsdifferenzen münden (DiPrete & Eirich, 2006; Walberg & Tsai, 1983), was auch als individueller „Matthäus-Effekt“ bezeichnet wird. Der Artikel untersucht anhand der Daten aus der BiKS-Studie (Artelt, Blossfeld, Faust, Roßbach & Weinert, 2013), ob sich Matthäuseffekte Lesen und Mathematik in der Sekundarstufe I nachweisen lassen.

Im dritten Beitrag der Dissertation werden Bedingungen der schulischen Entwicklung leistungsstarker Schülerinnen und Schüler adressiert. Einen hohen Stellenwert für die persönliche und für die Leistungsentwicklung von Schülerinnen und Schülern haben soziale Beziehungen innerhalb von Klassen (z. B. Freundschaftsbeziehungen, Unterstützungsbeziehungen). In der Forschung wird daher diskutiert, wie Lehrkräfte auf das soziale Gefüge in der Klasse positiven Einfluss nehmen können. Im Beitrag wird daher untersucht, welchen Effekt individualisierende, differenzierende Unterrichtsformen auf die soziale Integration von leistungsstarken Schülerinnen und Schülern haben. Diese Forschungsfrage wird unter Nutzung der Netzwerkdaten des IQB-Bildungstrend 2018 untersucht.

Betreuung: Dr. Malte Jansen➚, Prof. Dr. Poldi Kuhl➚

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